Für wen kommt die Radioligandentherapie infrage?
Die Behandlung ist für Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs gedacht, bei denen andere Therapien nicht mehr ausreichend wirken. Ob sie passt, hängt von einigen Voraussetzungen ab.
Zuletzt geprüft am 18. Oktober 2026
Die typische Situation
Die Radioligandentherapie kommt infrage, wenn alle drei Punkte zutreffen:
- Der Prostatakrebs hat Absiedlungen (Metastasen) gebildet.
- Er wächst weiter, obwohl der Testosteronspiegel durch eine Hormonentzugsbehandlung niedrig ist. Ärzte sprechen von kastrationsresistentem Prostatakrebs, abgekürzt mCRPC.
- Die üblichen Behandlungen wurden schon eingesetzt.
Laut Zulassung in der EU haben die Männer bereits eine neuere Hormontherapie bekommen, etwa mit Abirateron, Enzalutamid, Apalutamid oder Darolutamid, und außerdem eine Chemotherapie mit einem Taxan. Die Hormonentzugsbehandlung läuft während der Radioligandentherapie weiter.
Die deutsche S3-Leitlinie nennt seit 2025 zusätzlich Männer, die nach einer solchen Hormontherapie keine Chemotherapie bekommen können. Auch die europäische Leitlinie der Urologen sieht diese Möglichkeit vor, mit schwächerer Empfehlung.
Voraussetzungen
Genug PSMA auf den Tumorherden. Ein PSMA-PET zeigt, ob die Metastasen den Wirkstoff aufnehmen. In der Zulassungsstudie mussten sie deutlich stärker leuchten als die Leber. Größere Herde ohne PSMA sprechen gegen die Behandlung, weil der Wirkstoff sie nicht erreicht.
Ausreichende Blutwerte. Knochenmark und Nieren werden von der Strahlung mitbelastet. Vor jeder Gabe werden deshalb Blutbild, Nieren- und Leberwerte bestimmt. Bei deutlich eingeschränkter Nierenfunktion wird die Behandlung nicht empfohlen.
Ausreichender Allgemeinzustand. In der Zulassungsstudie waren nur Männer eingeschlossen, die ihren Alltag noch weitgehend selbst bewältigen konnten. Für Patienten, die den Großteil des Tages liegen müssen, gibt es kaum Daten.
Stationärer Aufenthalt möglich. Jeder Zyklus bedeutet mindestens zwei Tage auf einer abgeschirmten Therapiestation.
Wer entscheidet
Den Anstoß gibt meist der behandelnde Urologe oder Onkologe. Die Fachgesellschaften empfehlen, dass eine Tumorkonferenz den Fall bespricht. Dort beraten Urologen, Onkologen, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten und Radiologen gemeinsam. Danach folgt ein Vorgespräch in der Nuklearmedizin, in dem die Bilder und Blutwerte geprüft werden. Die Entscheidung treffen Sie mit Ihren Ärzten gemeinsam.
Kosten
Die Behandlung findet stationär im Krankenhaus statt. Bei gesetzlich Versicherten übernimmt die Krankenkasse die Kosten im Rahmen der Krankenhausbehandlung, nötig ist eine Einweisung. Privatversicherte klären die Übernahme am besten vorab mit ihrer Versicherung.
Quellen
- EMA: Produktinformation Lutetium (177Lu) vipivotidtetraxetan, Fachinformation und Packungsbeilage (EPAR, Stand 20.07.2026)
- Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Version 8.1, August 2025 (AWMF 043-022OL)
- EAU, EANM, ESTRO, ESUR, ISUP, SIOG: Guidelines on Prostate Cancer, Pocket Guidelines 2026
- Kratochwil C. et al.: EANM/SNMMI procedure guideline for 177Lu-PSMA radioligand therapy. Eur J Nucl Med Mol Imaging 2023
- Sartor O. et al.: Lutetium-177-PSMA-617 for Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer (VISION). N Engl J Med 2021
- G-BA: Beschluss zur Nutzenbewertung von Lutetium (177Lu) vipivotidtetraxetan vom 06.07.2023
Diese Information ersetzt kein ärztliches Gespräch. Ob eine Radioligandentherapie für Sie infrage kommt, klären Ihre behandelnden Ärzte mit Ihnen.